Vom Probeimker zum Freizeitimker

Foto: S.Schwegler

Ein Bericht von unserem Vereinsmitglied Herr Schöbel


Am Tag der Imkerei am 8.7.2012 hatte ich einen lang gehegten Plan umgesetzt:
Im Bienengarten am Efeuweg in Neu-Ulm lernte ich viele Imker kennen. Im Gespräch mit dem Vorstand des Imker-Kreisverbandes wollte ich wissen, wie die Bienenhaltung mit der sogenannten Bienenkiste abläuft. Mir war schnell klar, dass damit eine Betriebsweise verbunden ist, die einige Besonderheiten aufweist. So wurde ich überzeugt, dass die Bienenhaltung mit Magazinen manches vereinfacht.
Nachdem ich mich mit vielen Anleitungen und Literatur eingedeckt hatte, glaubte ich mit dem Kauf eines Bienenvolkes im September genug gerüstet zu sein. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass theoretisches Wissen allein kein Garant ist für erfolgreiches Imkern ist.
Im Frühjahr 2013, welches gekennzeichnet war von einer anhaltenden Kälte verbunden mit Regen und schlechten Tracht-Bedingungen, erlebte ich eine böse Überraschung: Im März war mein Bienenvolk, das ich im September zuvor erworben hatte, verhungert!! Jetzt war guter Rat teuer. Hilfe kam vom Imkerortsverein Neu-Ulm.
Ich erhielt das Angebot die Bienenhaltung probeweise praktisch zu erlernen. Der Probeimkervertrag war schnell unterschrieben. Nach Zahlung einer Kursgebühr wurde ich einer Gruppe zugeteilt, die unter Aufsicht von Edmund – ein erfahrener "alter Hase" in der Imkerei - die praktische Seite der Bienenhaltung kennen lernte. Sabrina, Gunter, Christian, Matthias und ich betreuten also unter Aufsicht am Bienenstand im Bienengarten 5 Bienenvölker. Es wurde vereinbart, dass ab Februar an jedem Freitag um 15.00 Uhr wir uns am Bienenstand einfinden sollten.
Neben der Verpflichtung Theoriekurse zu besuchen und mit einem Nachweis zu belegen begannen wir mit dem Bauen von Zander-Rahmen. Es wurde geklebt, genagelt und geschraubt. In Gemeinschaftsarbeit hatten wir sehr bald die erforderlichen Rahmen beisammen. Danach wurde der Spanndraht eingezogen. Schließlich wurden die Mittelwände eingelötet. Viele neue Begriffe mussten gelernt werden. Manche Begriffe bekamen eine neue Bedeutung: Unter Löten verstand ich nur die Arbeit mit Lötkolben und Lötzinn. Hier wurde nach Einlegen einer Wachsplatte in den gedrahteten Rahmen Strom angelegt, wodurch diese "Mittelwand" an den Berührungsstellen mit dem Draht schmolz und sich fest verband. So entstanden dann die fertigen Rahmen, mit denen auch die Bienen etwas anfangen und Waben bauen konnten.

Beim Umgang mit den Bienen waren wir anfangs noch sehr ängstlich und benutzten die bereitgestellten Schutzanzüge und Schleier. Aber bald merkten wir, dass beim behutsamen Umgang mit den Bienen diese Vorsicht in der Regel gar nicht mehr notwendig war.
Edmund zeigte uns seine Betriebsweise. Wir lernten den Umgang mit Raucher, Stockmeissel, Wabenheber und Imkerbesen. Die Entdeckung der Königin war unser erstes Erfolgserlebnis. Wenn das nicht gelang, dann suchten wir "Stifte". Hatten wir diese entdeckt, so bedeutete dies, dass die Königin noch in den letzten Tagen vorhanden gewesen sein musste. Regelmäßig suchten wir die Waben nach Weiselzellen ab und brachen sie auf. Auf diese Weise hatten wir kein Schwarmvolk verloren. Die Bedeutung des Baurahmens wurde eindrücklich erklärt. Hierbei wendeten wir die biomechanische Behandlung des Varroabefalls an.
Schon nach wenigen Wochen waren die überwinterten Magazine voller Bienen. Es wurde Zeit ein weiteres Magazin als zweiten Brutraum aufzusetzen. Die vorbereiteten Rahmen bzw. Waben kamen damit zum Einsatz. Schließlich wurde noch ein 3. Magazin mit unterlegtem Absperrgitter aufgesetzt. Dies war dann der Honigraum. Jetzt war der Magazinturm (= Beute) komplett. Mitte Juni wurde unser erster Honig geschleudert. Den gesamten Ablauf mit Honigwabenentnahme, Entdeckelung und Schleuderung mit der vereinseigenen Schleuder wurde uns beigebracht. Den Honig durften wir behalten. Neben dieser praktischen Unterweisung empfiehlt es sich auch einen Honigkurs zu besuchen, insbesonders dann, wenn überschüssiger Honig weitergegeben oder verkauft werden soll. Die Schwäbische Imkerschule des Beziksverbandes in Kleinkemnat bei Kaufbeuren bietet dazu mehrere Termine im Jahr an.
Ein Volk wurde buckelbrütig. Es wurde versucht nach dem Absetzen aller Bienen aus dem Stock in ausreichender Entfernung vom Bienenstand und danach mit dem Zusetzen einer ganz frischen Brutwabe das Volk zu retten. Als das nicht gelang wurde eine gekaufte neue Königin zugesetzt. Diese Maßnahme war dann erfolgreich.
Am 28.6.2013 hatte jemand vom Seniorengarten von Bienen berichtet, die seit dem Vortag in einem größeren Haufen sich auf dem Erdboden versammelt hatten. Edmund erklärte den rechtlichen Umgang mit Schwärmen zeigte mir wie einfach das Einlogieren dieses Schwarmes in ein neues Magazin ablief.

Von einem sehr starken Volk wurden Brut- und Futterwaben entnommen um zu zeigen wie dadurch schwärmen verhindert werden kann. Leider entwickelte sich dieses Volk nicht wie gewünscht. Eine Weiselprobe wurde danach gemacht. Dieses Bienenvolk schaffte Weiselzellen nach als Hinweis darauf, dass eine Königin fehlte. Um eine bessere Volksentwicklung zu erreichen wurde auch hier eine gekaufte Königin zugesetzt.
Ein Altimker schenkte mir einen Schwarm. Da die Königin nicht gezeichnet war, hatte Edmund die Kennzeichnung einer Königin in der Jahresfarbe am Bienenstand vorgeführt. Zu Hause konnte ich das dann nachmachen.
Was eine Räuberei ist konnten wir auch am Bienenstand erleben. Die Rettung bestand im Verkleinern des Flugloches und das Wegstellen des beräuberten Volkes außerhalb des Flugradius der Bienenstandvölker.
In Weißenhorn fand an an 3 Kurstagen ein Anfängerkurs statt, der eine hervorragende Ergänzung zum Bücherstudium lieferte. Außerdem organisierte der Ortsverein mit dem Kreisverband einen Ablegerkurs ebenfalls an 3 Kurstagen. Auf diese Weise erhielt ich ein weiteres Bienenvolk mit einer Königin, deren Herkunft aus einer besonderen Zuchtlinie (Edelzelle) entstammte. Ein dritter Kurs befasste sich mit der Behandlung der Varroa mit Milchsäure, Ameisensäure und Oxalsäure.
Die letzten Jahresarbeiten bestanden im Ersetzen des abgeschleuderten Honigs durch Füttern mit Futtersirup bzw. Zuckerwasser und die Behandlung mit den Mitteln gegen die Milben.
Da ich beschloss nach dieser Probeimkerzeit Vereinsmitglied zu werden, erhielt ich am Ende dieses Bienenjahres ein Bienenvolk unentgeltlich zur weiteren Betreuung und Pflege. Neben diesem Volk hatte ich zusätzlichlich 4 Völker erworben (2 Schwarmvölker und 2 Ablegervölker).
Mit diesem umfangreichen Lehr- und Lernprogramm und dem ständigen Erfahrungsaustausch mit den erfahrenen Imkerkollegen bei den wöchentlichen Treffen im Bienengarten war es mir gelungen alle meine Bienenvölker erfolgreich über den Winter zu bekommen. Jetzt im 2. Jahr meiner Freizeitimkerei habe ich inzwischen 10 Bienenvölker. Es bleibt für mich nach wie vor spannend wie sich die Völker unterschiedlich entwickeln. Meinen Entschluss dieses Hobby zu betreiben habe ich nicht bereut, obwohl es tatsächlich schon in Arbeit ausgeartet ist.


Gerlenhofen, den 23.10.2014